Naturschutzgebiete auf La Palma

Eine Vulkaninsel unter besonderem Schutz

La Palma ist auf nur 708 Quadratkilometern erstaunlich vielfältig. Zwischen trockener Küste, feuchten Schluchten, Lorbeerwald, Kiefernwald und dem 2.426 Meter hohen Roque de los Muchachos wechseln Klima und Vegetation auf kurzen Wegen. Atlantik, Passatwolken und vulkanischer Boden haben diese Gegensätze gemeinsam geformt.

Der internationale Schutz begann 1983 mit 511 Hektar der Finca El Canal y Los Tiles im Nordosten. 2002 erweiterte die UNESCO das Gebiet auf die gesamte Insel; heute umfasst die Reserva Mundial de la Biosfera La Palma zusätzlich einen Meeresanteil. Die Auszeichnung bedeutet nicht, dass La Palma ein unberührtes Museum sein soll. Sie verbindet den Erhalt wertvoller Ökosysteme mit Landwirtschaft, Orten und einer dauerhaft tragfähigen Nutzung.

Kiefernwald und Berglandschaft über dem Wolkenmeer auf La Palma

Daneben führt die Kanarische Regierung für La Palma zwanzig Gebiete in der Red Canaria de Espacios Naturales Protegidos. Dazu gehören der Nationalpark Caldera de Taburiente, die Naturparks Las Nieves und Cumbre Vieja, Totalreservate, Naturdenkmäler, geschützte Landschaften und Gebiete von wissenschaftlichem Interesse. Schutzflächen des europäischen Natura-2000-Netzes überschneiden und ergänzen dieses Inselnetz.

Die Schutzkategorien haben unterschiedliche Regeln. In einem Totalreservat kann der Zugang stark begrenzt sein, während ein Naturpark Erholung und traditionelle Nutzungen zulässt, solange seine Werte erhalten bleiben. Einen aktuellen Überblick über Gebiete und Planungsinstrumente bietet die Kanarische Regierung.

Lorbeerwald: grünes Gedächtnis der Insel

Im feuchten Nordosten fangen die Berghänge den Passat auf. Die Wolken streichen durch die Kronen, Wasser kondensiert an Blättern und Zweigen und tropft auf den Waldboden. In diesem Klima blieb die Laurisilva erhalten: ein immergrüner Waldtyp, dessen Verwandte vor Millionen Jahren weite Teile des Mittelmeerraums bedeckten.

Los Tilos im Naturpark Las Nieves ist sein bekanntestes Schaufenster. Til, Viñátigo, Barbusano, Lorbeer, Palo blanco, Stechpalme sowie Faya und Baumheide bilden mehrere Stockwerke; darunter wachsen Moose, Farne und zahlreiche Endemiten. Der Ausdruck Urwald passt zur Stimmung, doch der Wald ist kein Relikt ohne Menschen: Wassergewinnung, Wege und frühere Nutzungen gehören ebenfalls zu seiner Geschichte.

Laurisilva im Cubo de la Galga bei Puntallana

Auch der Cubo de la Galga bei Puntallana führt mitten in diesen grünen Kosmos. Schon ein kurzer Weg zeigt, wie sehr Licht, Feuchtigkeit und Temperatur im Barranco wechseln. Längere Varianten steigen zu Aussichtspunkten und in die umliegenden Höhen; feste Schuhe sind sinnvoll, denn Wurzeln und feuchter Boden können rutschig sein.

Der Wald lebt von Ruhe und intakten Böden. Deshalb auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, Farne und Blüten nicht pflücken und keinen Müll oder Essensreste zurücklassen. Nach starkem Regen, Wind oder Forstarbeiten können einzelne Zugänge gesperrt werden; Hinweise vor Ort haben immer Vorrang.

Caldera de Taburiente und die Kraft der Kiefer

Die Caldera de Taburiente wurde am 6. Oktober 1954 zum Nationalpark erklärt und 1981 auf heute 4.690 Hektar erweitert. Das gewaltige Bergbecken mit fast zweitausend Metern Höhenunterschied entstand durch vulkanischen Aufbau, große Rutschungen und die unermüdliche Erosion des Wassers. Bäche, Quellen, Felswände und tiefe Schluchten machen es zu einer eigenen Welt im Inselinneren.

Beherrscht wird diese Welt vom Kanarischen Kiefernwald. Seine langen Nadeln kämmen Feuchtigkeit aus den Wolken, und die dicke Borke schützt schlafende Knospen vor Hitze. Nach vielen Bränden können selbst schwarz gewordene Stämme erneut austreiben. Diese erstaunliche Anpassung macht den Baum jedoch nicht unverwundbar: häufige oder sehr intensive Feuer schädigen Wald, Tiere und vor allem den dünnen Boden. Mehr Hintergrund bietet unser Journalbeitrag über die Kanarische Kiefer nach dem Waldbrand von 2016.

Wanderweg im Kiefernwald der Caldera de Taburiente

Besucher erleben den Park über sehr unterschiedliche Zugänge: La Cumbrecita öffnet den Blick von oben, Los Brecitos führt in das bewaldete Innere und der Barranco de las Angustias folgt dem natürlichen Abfluss der Caldera. Eine harmlose Küstenprognose sagt hier wenig aus. Regen kann in den Schluchten schnell Wasser führen, während Höhe, Hitze oder Kälte an anderer Stelle fordern.

Vor jeder Tour sollten Wetter, Wegestatus und Zufahrten geprüft werden. Für manche Pisten, Parkplätze oder Übernachtungen gelten Reservierungen und besondere Regeln. Die Nationalparkverwaltung veröffentlicht offizielle Routen und Besucherhinweise.

Cumbre Vieja, Tajogaite und ein respektvoller Besuch

Im Süden zieht sich der Naturpark Cumbre Vieja über die vulkanische Bergachse. Alte Kegel, schwarze Lapillifelder und junge Kiefern erzählen von historischen Ausbrüchen. Seit 2021 gehört auch Tajogaite zu diesem Bild. Die Eruption zerstörte Wohngebiete, Straßen und Anbauflächen, schuf aber zugleich neues Land und einen geologisch sehr jungen Lebensraum, dessen Entwicklung Wissenschaftler über viele Jahre verfolgen werden.

Der neue Vulkankegel ist kein frei zugänglicher Aussichtshügel. Der ausgewiesene Rundweg nähert sich ihm in kleinen Gruppen und mit autorisierten Führern; Absperrungen, Warnungen vor Gasen, Hitze oder losem Material sind unbedingt zu beachten. Lavasteine bleiben an ihrem Platz: Wer ein Stück mitnimmt, verändert genau die Landschaft, die er sehen wollte.

Wanderer in der Vulkanlandschaft von Cumbre Vieja auf La Palma

Respekt gilt überall auf der Insel. Auf markierten Wegen bleiben, keine Steinmännchen bauen, Tiere nicht füttern, Pflanzen nicht pflücken und Abfälle vollständig mitnehmen. Hunde gehören in sensiblen Gebieten an die Leine. Bei Hitze, Trockenheit und Wind genügt ein Funke für einen Waldbrand: Rauchen, offenes Feuer und jedes Verhalten entgegen den aktuellen Anordnungen sind deshalb tabu.

Wetter, Waldbrandgefahr und Wegsperrungen können sich kurzfristig ändern. Vor dem Aufbruch lohnt ein Blick auf den offiziellen Status der Wanderwege La Palmas. Für Tajogaite sind eine vorherige Buchung und ein autorisierter Anbieter erforderlich. So bleibt aus dem Ausflug mehr als ein schönes Foto: ein Besuch, der der Insel keinen zusätzlichen Schaden zufügt. Weitere Berichte und Hintergründe bietet unser Journalbeitrag drei Jahre nach dem Ausbruch des Tajogaite.