Vulkane auf La Palma
Wie La Palma aus dem Atlantik wuchs
Vor rund zwei Millionen Jahren begann La Palma als unterseeischer Vulkanbau zu wachsen. Aus vielen Eruptionen lagerten sich Lava und Lockermaterial Schicht für Schicht übereinander, bis die junge Insel die Meeresoberfläche durchbrach. Seitdem formen Feuer, Wasser, Wind und gewaltige Hangrutschungen gemeinsam ihr Gesicht.
Die Kanaren liegen nicht an einer Plattengrenze, sondern innerhalb der Afrikanischen Platte. Warum hier Magma aufsteigt, wird wissenschaftlich weiterhin diskutiert. Modelle verbinden einen tiefen Mantelaufstrom mit Prozessen am Rand der kontinentalen Lithosphäre. Sicher ist: Das Magma fand über lange Zeit immer wieder Wege durch die ozeanische Kruste.
Der ältere Norden wurde vom Taburiente-Vulkankomplex aufgebaut. Später verlagerte sich die Aktivität nach Süden: Erst entstanden Bereiche um Cumbre Nueva und Bejenado, danach entwickelte sich die bis heute aktive Vulkanrippe Cumbre Vieja. Deshalb liegen sämtliche historisch dokumentierten Ausbrüche La Palmas im Süden der Insel.
La Palma ist also kein einzelner Vulkan mit einem zentralen Krater, sondern ein ganzer Vulkanbau mit zahlreichen Kegeln, Spalten und alten Förderschloten. Mehr als hundert sichtbare Gipfel und Krater erzählen verschiedene Kapitel derselben langen Inselgeschichte.
Historische Ausbrüche: vom Teneguía bis zum Tajogaite
Seit dem 15. Jahrhundert sind auf La Palma acht Eruptionsphasen überliefert: Montaña Quemada oder Tacande, Tajuya 1585, Martín 1646, San Antonio 1677/78, El Charco 1712, San Juan 1949, Teneguía 1971 und die Eruption von 2021. Nicht alle frühen Ereignisse sind gleich gut dokumentiert, doch sie liegen sämtlich entlang der Cumbre Vieja.
Der Teneguía brach vom 26. Oktober bis 18. November 1971 aus. Viele Palmeros beobachteten das damals ungewöhnlich nah, doch der Ausbruch war keineswegs nur ein Picknick-Spektakel: Gase, Asche und Lava waren reale Gefahren. Die Ströme vergrößerten die Südspitze und schufen die dunkle Landschaft, die heute rund um Fuencaliente zu sehen ist.
Am 19. September 2021 öffneten sich bei Cabeza de Vaca in El Paso neue Spalten. Die meist strombolianische Eruption, häufig Tajogaite genannt, dauerte 85 Tage und 8 Stunden. Sie baute einen rund 200 Meter hohen neuen Kegel auf und überzog Teile des Aridane-Tals mit Lava und Asche. Häuser, Straßen, Felder und ganze Ortsteile gingen verloren; zugleich entstand an der Küste neues Land.
Der Ausbruch endete am 13. Dezember 2021. Das bedeutet nicht, dass jede Begleiterscheinung sofort verschwand: Wissenschaftliche Netze überwachen weiterhin Erdbeben, Bodenbewegungen und Gase. Wer die junge Vulkanlandschaft besucht, sollte Absperrungen und ausgewiesene Wege respektieren, denn Gelände und Zugänge können sich noch verändern.
Was an der Megatsunami-Geschichte dran ist
Eine Studie aus dem Jahr 2001 machte La Palma weltweit zum Schauplatz einer spektakulären Katastrophengeschichte. Sie berechnete ein extremes Szenario, bei dem ein sehr großer Teil der Westflanke der Cumbre Vieja auf einmal in den Atlantik rutscht und einen Tsunami erzeugt. Das war eine Modellrechnung unter besonders ungünstigen Annahmen, keine Vorhersage eines bevorstehenden Ereignisses.
Spätere Untersuchungen modellierten kleinere oder mehrstufige Rutschungen und kamen für weit entfernte Küsten zu deutlich weniger dramatischen Ergebnissen. Auch während der Eruption 2021 wurde kein Zusammenbruch der Flanke beobachtet. Große Hangrutschungen gehören zur langfristigen Entwicklung vulkanischer Inseln, doch es gibt keinen wissenschaftlichen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Megatsunami. Hintergründe zur Debatte bietet unser älterer Journal-Beitrag über Cumbre Vieja.
Caldera de Taburiente: Vulkanruine und Werk des Wassers
Im Norden bewahrt die Caldera de Taburiente die ältesten sichtbaren Kapitel La Palmas. Der rund acht Kilometer breite Gebirgskessel ist kein einfacher Explosions- oder Senkkrater. Vulkanische Aufbauphasen, ein gewaltiger Flankenkollaps vor ungefähr 560.000 Jahren und die unermüdliche Erosion durch Wasser schufen gemeinsam die heutige Form.
Die Wände steigen fast zweitausend Meter über den tiefsten Bereichen auf. Am Kraterrand stehen die höchsten Gipfel der Insel: Roque de los Muchachos mit 2.426 Metern, Pico de la Cruz mit 2.351 Metern und Pico de la Nieve mit 2.236 Metern. In den angeschnittenen Felsen werden Kissenlaven, Basaltgänge und alte Fördersysteme sichtbar.
Zwischen steilen Schluchten, Quellen, Wasserfällen und kanarischen Kiefern entstand ein Nationalpark mit zahlreichen endemischen Pflanzen und Tieren. Gerade der Gegensatz zwischen den schroffen Felswänden und dem grünen Inneren macht die Caldera zu einem der eindrucksvollsten Wandergebiete der Insel.
Der Barranco de las Angustias ist der natürliche Abfluss des Kessels. Bei trockenem Wetter gehört er zu den klassischen Zugängen; nach starkem Regen kann er jedoch in kurzer Zeit Wasser führen und gefährlich werden. Hinweise, Sperrungen und Wetterlage sollten deshalb vor jeder Tour geprüft werden. Offizielle Wege beschreibt der Nationalpark Caldera de Taburiente.
Cumbre Nueva, Cumbre Vieja und die Vulkanroute
Die Namen führen ein wenig in die Irre: Cumbre Nueva, der neue Gipfel, gehört geologisch zum älteren Inselteil; Cumbre Vieja, der alte Gipfel, ist die jüngere und aktive Vulkanrippe. Von Norden nach Süden reihen sich dort Kegel, Krater und Lavafelder wie auf einer natürlichen Zeitleiste aneinander.
Die bis fast zweitausend Meter hohen Kämme teilen auch das Wetter. Feuchte Passatluft steigt an der Ostseite auf, kühlt ab und bildet Wolken; westlich davon kann es deutlich trockener sein. Dieser Gegensatz erklärt, warum Lorbeerwald, Kiefern, schwarze Ascheflächen und junge Lava auf engem Raum zusammentreffen.
Die Ruta de los Volcanes folgt als Etappe des GR 131 dem Rücken vom Refugio del Pilar Richtung Fuencaliente. Bei klarer Sicht öffnen sich Blicke auf Teneriffa, La Gomera und El Hierro. Die lange, ausgesetzte Strecke besitzt wenig Schatten und verlangt Kondition, ausreichend Wasser, Sonnenschutz und der Jahreszeit entsprechende Kleidung.
Wetter, Waldbrandgefahr oder Arbeiten können den Weg zeitweise verändern oder sperren. Den aktuellen Zustand zeigt die offizielle Seite des GR 131. Nachrichten und Hintergründe sammeln wir außerdem in der Vulkan-Rubrik des La Palma 24-Journals.