Wandern am Roque de los Muchachos

Über den Wolken

Schon die kurvenreiche Auffahrt zum Roque de los Muchachos ist Teil des Erlebnisses. Von der Küste führt die Straße durch verschiedene Vegetationsstufen: An den Osthängen können Passatwolken hängen, weiter oben lichtet sich der Nebel zwischen den Kiefern und schließlich bleibt die Baumgrenze zurück. Das Ziel liegt auf 2.426 Metern, häufig über einem geschlossenen Wolkenmeer.

Wanderer auf dem Kraterrand über dem Wolkenmeer

Oben wirkt die Landschaft karg, weit und beinahe weltfern. Rotbraune Felsen, niedrige Hochgebirgspflanzen und der tiefblaue Himmel ersetzen den Wald. Die Luft ist merklich dünner, die Sonne stärker und der Wind kann selbst an warmen Tagen überraschend kalt sein.

Am Rand der Caldera de Taburiente

Der Roque de los Muchachos steht am nördlichen Rand der Caldera de Taburiente. Nach innen fallen fast senkrechte Wände in ein gewaltiges, durch Erosion geformtes Becken ab; nach außen ziehen Schluchten durch den grünen Norden bis zum Atlantik. Bei klarer Sicht erscheinen hinter Pico Bejenado und Cumbre Vieja auch El Hierro, La Gomera und Teneriffa, oft nur mit der Spitze des Teide über den Wolken.

Wandergruppe an einer Felsformation am Roque de los Muchachos

Der Weg am Kamm gehörte früher zu den mühsamen Verbindungen zwischen dem Norden und der Hauptstadt. An einer Stelle erinnert ein Kreuz an einen Palmero, der der Überlieferung nach von einem seltenen Schneefall überrascht wurde und hier starb. Es passt zu einer Höhe, die trotz des milden Inselklimas nicht unterschätzt werden darf.

Ein Berg für die Astronomie

Nahe dem Gipfel liegt auf rund 2.396 Metern das Observatorio del Roque de los Muchachos. Seine weißen und silbernen Kuppeln gehören zu einer der umfassendsten Teleskopanlagen der Welt. Höhe, stabile Atmosphäre, geringe Lichtverschmutzung und klare Luft machen den Standort für internationale Sonnen- und Nachtbeobachtung besonders wertvoll.

Das Gelände ist ein aktiver wissenschaftlicher Arbeitsplatz. Öffentliche Besichtigungen finden tagsüber, in kleinen Gruppen und nur nach vorheriger Reservierung statt; Betrieb und Wetter können Termine beeinflussen. Informationen und Buchung bietet das Institut für Astrophysik der Kanaren. Nachts ist das Observatorium nicht für touristische Besuche geöffnet.

Wanderwege und sichere Planung

Vom Gipfelbereich lassen sich kurze Spaziergänge zu Aussichtspunkten oder anspruchsvollere Kammwanderungen planen. Die frühere Tourenbeschreibung folgte etwa sechs Kilometer dem Höhenweg in Richtung Pico de la Cruz. Dieser Abschnitt gehört jedoch zur zweiten Etappe des GR 131 und ist keine eigenständige Rundtour: Rückweg oder Abholung müssen vorab organisiert werden.

Die vollständige zweite Etappe des GR 131 führt über 26 Kilometer vom Roque de los Muchachos zum Refugio del Pilar. Trotz der überwiegend absteigenden Richtung gibt es viele Gegenanstiege. Wasserstellen können trocken sein; Sonne, Wind, Nebel, Kälte oder Schnee verändern die Anforderungen sehr schnell.

Prüfen Sie unmittelbar vor der Fahrt den Wegestatus sowie die aktuellen Wetter-, Alarm- und Straßenhinweise für LP-4 und LP-403. Feste Schuhe, warme und winddichte Kleidung, Sonnen- und Regenschutz, ausreichend Wasser und ein geplanter Rücktransport gehören selbst bei einer kurzen Kammwanderung dazu.