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Vulkanismus - Caldera - Cumbre Vieja

   
Vor rund zwei Millionen Jahren begann die Geburt La Palmas. Das war eine langwierige Sache, denn die Wehen zogen sich über hundertausende von Jahren hin.

La Palma ist - wie etwa Hawaii - eine Hot-Spot-Insel . Hot-Spots sind besonders enge und heiße Stellen im Erdinneren, die Druck ablassen, indem sie Gestein an die Oberfläche pumpen. Diese sogenannte Mantelplume schmilzt in der Erdkruste, dringt als Magma an die Oberfläche, kühlt sich im Meer ab und türmt sich langsam aber sicher zu einem Vulkan auf.

Im Falle von La Palma wurde der erste im Meer geborene Feuerspucker höher und höher und streckte irgendwann seine Nase aus dem Wasser. Während er überirdisch weiterwuchs, konnte er zusehen, wie nach und nach seine zahlreichen "Brüder" geboren wurden. Denn während der Hot-Spot fröhlich weiter spuckte, verschob sich über ihm die Erdkruste. So erhob sich Vulkan neben Vulkan, bis eine Kette mit weit mehr als 100 Gipfeln aus dem Atlantik ragte - La Palma war geboren.

Nach diesem Prinzip sind alle Kanaren entstanden. Grund: Alle sieben Inseln liegen an der Grenze des Ozeanbodens zur Afrikanischen Kontinentalplatte, die sich jedes Jahr zwei bis drei Zentimeter Richtung Osten verschiebt. Damit wandert ihr unterseeischer Krustenbereich ständig über den Hot-Spot . Der Prozess begann vor rund 30 Millionen Jahren - La Palma ist mit seinen 2 Millionen Jahren das Nesthäkchen der Inselgeschwister. Und es geht weiter: Bis heute rumort´s im Teneguía-Vulkan, und vor der Südspitze La Palmas werden auf dem Grund des Ozeans immer neue Vulkane geboren.

Geologen vermuten inzwischen, dass der aktuell unter La Palma liegende Hot-Spot nicht nur aus dem Erdinnern gespeist wird. Grund: An der Grenze der 150 Kilometer "dicken" Afrikaplatte zur nur rund 10 Kilometer starken Ozeanplatte kommt es zu einem Temperaturgefälle. Sprich: Kühles Gestein vom Kontinent sinkt ab und steigt am Hot-Spot heiß wieder auf. Edge Driven Convection - Kontinentalrandkonvektion - heißt das auf Fachchinesisch.

Die meisten der einst heißen Öfen La Palmas spucken allerdings schon lange kein Feuer mehr. Sieben Ausbrüche wurden in den

vergangenen 500 Jahren dokumentiert, von der Fachwelt als "gemäßigt" eingestuft. Es gab nie Todesopfer, denn die Lava floss langsam.

So war auch der letzte Ausbruch des des Teneguía im Jahr 1971 ein nahezu gesellschaftliches Ereignis: Die Palmeros versammelten sich zum Vulkangucken mit Picknick am Kraterrand. Drei Wochen dauerte die Schau, wobei die ins Meer fließende Lava die Mondlandschaft des Südens nochmal neu gestaltete.

Weil der Teneguía bis heute Zicken macht, steht er unter ständiger wissenschaftlicher Beobachtung. Sein älterer Bruder, der direkt nebenan gelegenen San Antonio , war 1677 letztmals aktiv. Am Rande seines Kraters wurde eines der beiden großen Besucherzentren von La Palma erbaut. (Besucherzentren).

 

 
 
  • 1470-1492 Montaña Quemada
  • 1585 Tajuya in der Nähe von El Paso
  • 1646 Volcán San Martin
  • 1677 Volcán San Antonio
  • 1712 El Charco
  • 1949 Volcán San Juan, Duraznero, Hoyo Negro
  • 1971 Volcán Teneguía.

 

Caldera de Taburiente

Die größten drei Vulkane der Insel befanden nach Geologenmeinung im Norden und sind lange erloschen. So lange, dass Luft und Wasser die mehr als 3.500 Meter hoch aus dem Meer ragenden Ungetüme zur heutigen Caldera de Taburiente schrumpfen ließen. Wobei die Schrumpfung relativ zu sehen ist. Der gigantische "Kochtopf" misst stolze neun Kilometer im Durchmesser und gilt als der größte Senkkrater der Welt. Auch seine Wände müssen sich nicht verstecken. Der Roque de Los Muchachos bildet mit 2.426 Metern die höchste Säule der Vulkanruine, gefolgt vom Pico de La Cruz mit 2.351 Metern und dem Pico de La Nieve mit 2.232 Metern. Bizarre Schluchten, romantische Quellen und Wasserfälle, immergrüne Pinienwälder sowie seltene Pflanzen und Tiere im Innern des "Kochtopfs" haben den Nationalpark Caldera de Taburiente zum beliebten Ziel der Wanderer auf La Palma gemacht.( Naturschutz)

Wohl der bekannteste Wanderweg der Caldera ist der Barranco de Las Angustias . In der "Schlucht der Todesängste" lehrten einst die Ureinwohner La Palmas den spanischen Eroberern das Fürchten. Heute wandert man hier gefahrlos von Dos Aguas hinunter nach Tazacorte - freilich nur, wenn´s trocken ist. Bei Regen verwandelt sich der Barranco in einen reißenden Fluss.

Cumbre Nueva und Cumbre Vieja

Nach der Caldera pumpte unser Hot-Spot zunächst den Höhenzug der Cumbre Nueva und dann die Cumbre Vieja ans Licht der Welt. Somit ist der "Neue Gipfel" - so die Übersetzung - geologisch älter als der "Alte Gipfel", denn die Vulkanketten La Palmas entstanden von Nord nach Süd.

Mit knapp 2.000 Metern ist auch dieser Höhenzug ein ideales Wandergebiet. Die Cumbres sind daran "schuld", dass es in La Palma auch mal regnet. Sie bilden eine natürliche Wetterscheide, an der die von Ost nach West ziehenden Passatwolken hängenbleiben und zu tröpfeln beginnen. So grünt´s und blüht´s hier, wohin das Auge schaut - im Winter finden Pilzesucher Pfifferlinge und sogar Steinpilze. Wen wundert es da, dass die Cumbres als Naturparks ausgewiesen sind. (Link zu Naturschutz und Wetter)

Bei La Palma-Urlaubern besonders beliebt ist die "Vulkanroute". Dieser Gratwanderweg über die Cumbre Vieja schenkt dem Wanderer bei klarer Sicht einen unvergleichlich schönen Blick auf die Nachbarinseln Teneriffa , La Gomera und El Hierro. (Wandern)

Last but not least zu einer der weltweit berühmtesten Horrorgeschichten, in der La Palma mit der Cumbre Vieja als Hauptdarstellerin die Hauptrolle spielt. Die Story begann 1949, als der der westliche Teil des Gebirges beim Ausbruch des San Juan einen Riss bekam. Geologen malen seitdem für den Fall, dass ein weiterer Vulkan im Süden der Insel aus dem Schlaf erwacht, ein beängstigendes Szenario. Die unglaubliche Hitze - so die Theorie - könnte das Wasser in den Adern der Cumbre- Felsen so plötzlich ausdehnen, dass das Gestein explosionsartig abgesprengt würde. Dabei flögen dann allerdings mehr als ein paar Felsen durch die Luft. Geologen schätzen, dass die komplette Westseite von La Palma ins Meer krachen könnte. Und wenn 500 Milliarden Tonnen Insel auf einen Satz in den Atlantik rauschen, rauscht noch mehr: Ein Tsunami bis nach Amerika. Die Mega-Monsterwellen wären am Anfang einige hundert Meter hoch und bis zu 700 Stundenkilometer schnell. Nach knapp acht Stunden würden sie mit immer noch rund 25 Metern Höhe unter anderem die Ostküste der USA überfluten.

Soviel zur Theorie. In der Praxis geben die Experten der Universität Delft erstmal Entwarnung . Sie halten einen solchen Bergrutsch für unwahrscheinlich - zumindest in den nächsten 10.000 Jahren. Grund: Die Cumbre sei noch nicht hoch und steil genug, um sich von einem einzigen Vulkanausbruch abschütteln zu lassen.

 

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