Die Schutzheilige La Palmas ist die Virgen de Las Nieves. Dass ausgerechnet die „Insel des ewigen Frühlings“ von der „Heiligen Jungfrau des Schnees“ behütet wird, kommt einem zunächst spanisch vor. Bedenkt man indessen, dass La Palma aus lauter Vulkanen besteht, wird die Sache schon logischer.
Denn Nieves ist die Schutzpatronin gegen alle Arten von Naturkatastrophen und bekämpft zum Beispiel Feuer mit Wasser – schließlich ist letzteres nur ein anderer Aggregatzustand von Schnee. So geschehen etwa anno domini 1646. Drei Monate lang hatte der Vulkan San Martin gewütet und Angst und Schrecken verbreitet. Der Legende zufolge machte die „Liebe Frau vom Schnee“ dem ein Ende, indem sie dem heißen Ofen kurzerhand ein ein weißes Häubchen aufsetzte.
Kaum war der Vulkanausbruch überstanden, da wurde La Palma im Jahr 1676 von einer Dürre heimgesucht. Das Korn vertrocknete, die Tiere verdursteten – und die Palmeros sahen nur noch einen Ausweg: In einer feierlichen Prozession trugen sie die Jungfrauen-Statue von der Iglesia de Las Nieves im gleichnamigen Ort Las Nieves hinunter in die Hauptstadt Santa Cruz. Und siehda – der lebensrettende Regen kam. Im Blick auf dieses Wunder ordnete der damalige kanarische Bischof Garcia Ximenez an, dass das Herabtragen der Heiligenfigur von nun an ein fester Brauch werden solle.
Das ließen sich die feierfreudigen Palmeros nicht zweimal sagen – und so findet die Bajada de La Virgen de Las Nieves seit 1680 alle fünf Jahre statt. 2010 ist es wieder soweit. Bei der größten Fiesta der Insel sind von Juni bis August unzählige Veranstaltungen geplant: Prozessionen, Konzerte, eine Kunsthandwerkerausstellung, Umzüge, und, und, und… Natürlich wird alles live vom Fernsehen übertragen, und Santa Cruz platzt aus allen Nähten.
Das Hauptprogramm sieht so aus:
27. Juni 2010
Auftakt der Bajada ist immer am letzten Junisonntag. In einer feierlichen Prozession werden die 42 Teile des rund zwei Tonnen schweren Silberthrons der Virgen von Las Nieves von der Wallfahrtskirche im Ort Las Nieves in die Kirche El Salvador im Zentrum von Santa Cruz getragen. (Bajada kommt vom Verb bajar – das heißt „hinuntergehen“).
Auf diesem Weg machen die Gläubigen im Barranco de Las Nieves halt, wo sich das Castillo befindet. Hier gibt es dann den sogenannten „Dialog zwischen Festung und Schiff“ – gemeint ist die nachgebaute Kolumbusfregatte auf der Plaza Alameda in Santa Cruz. Das Zwiegespräch hat ordentlich Phonstärke, denn es wird mittels Kanonengeböllere geführt.
Semana Chica
Am Sonntag, 4. Juli , beginnt die Semana Chicha. In der „Kleinen Woche“ stehen neben religiösen auch bunte Veranstaltungen auf dem Programm. Zum Beispiel der Danza Infantil – ein Umzug, bei dem Kinder mit märchenhaften Laternen durch die Straßen der Hauptstadt wandern.
Am Sonntag, 11. Juli , ist das Desfile de Carrozas y Batalla de Flores angesagt. Der Wagenumzug mit seinem gigantischen Blumenschmuck ist nicht nur was fürs Auge, sondern auch fürs Ohr. Grund: Auch Musikkapellen marschieren mit.
La Semana Grande
Am Montag, 12. Juli , startet die Hauptwoche – La Semana Grande – mit dem „Umzug der Riesen und Dickköpfe“. Beim Desfile de La Pandorga werden lokale VIPs und Politiker auf die Schippe genommen. Dazwischen spazieren aber auch Pappmachee-Häupter aus dem Märchenreich und andere komische Köppe mit.
Am Dienstag, 13. Juli , zeigen Akrobaten ihre Kunststückchen auf verschiedenen Plätzen von Santa Cruz.
Am Mittwoch, 14. Juli , steigt das Festival de Sieglo XVIIII. Tänze des 18. Jahrhunderts – also Minett ohne Anfassen – sind dabei angesagt. Alles natürlich in originalgetreuen Kostümen.
Am Donnerstag, 15. Juli , heißt es Bühne frei für den berühmten Zwergentanz. Beim Danza de Los Enanos flanieren ausgewachsene Männer zuerst in bunten Kostümen durch die Straßen und verwandeln sich dann in Zwerge mit riesigen Napoleonhüten. Manche sagen, dies sei eine Persiflage auf den französischen Eroberer, andere meinen auf Piraten, die einst La Palmas Küste unsicher machten. Im Prinzip ist das aber allen Fiestafans egal – Hauptsache, die Tanzfete zu rhytmischer Polkamusik dauert wie jedes Jahr bis in die frühen Morgenstunden.
Am Freitag, 16. Juli , gibt´s Theater mit Carro Alegórico y Triunfal. Dabei werden Marienthemen inszeniert.
Am Samstag, 17. Juli , wird´s wieder ganz feierlich: Gehüllt in ihre schönsten Gewänder wird die Terrakottafigur der Heiligen Nieves aus dem 14. Jahrhundert von ihrer Heimatkirche über den Königsweg El Planto hinab nach Santa Cruz getragen. Wieder gibt es einen Aufenthalt im Castillo, dann übernachtet die Jungfrau in der Kirche La Encarnación. Erst am nächsten Tag bringen sie die Gläubigen in die Kirche El Salvador, wo sie bis zum Ende der Bajada bleibt. Übrigens: Auch in dieser Nacht wird in den Straßen der Hauptstadt wieder bis zum Morgengrauen gefestet.
Am Donnerstag, 5. August , geht die Bajada zu Ende. Thron und Statue der Virgen de Las Nieves werden zurück in die Kirche in Las Nieves gebracht.
Kunsthandwerkerausstellung In der ersten Juliwoche findet eine große Kunsthandwerker-Ausstellung statt. Auf dem Gelände des Hafens der Hauptstadt wird ein großes Zelt errichtet, in dem Kunsthandwerker aller Couleur zeigen, was sie können.